ist spenden sinnvoll?
Spenden können problematisch sein …
… wenn Freiwillige unreflektiert folgendes (Selbst-)Bild haben (leicht überspitzt):
- ich bin Experte
- ich kenn die Situation vor Ort sehr gut
- ich habe mir bereits über alle möglichen Probleme Gedanken gemacht
- sich noch mehr Gedanken zu machen ist nicht notwendig bzw. man kann es ja auch übertreiben
- ich weiss, was die Leute vor Ort brauchen
- meine Arbeit ist mit der Arbeit der GTZ etc. vergleichbar
- wenn die Menschen vor Ort "xy" machen, wir auch "ab" rauskommen
- die Leute vor Ort sind mir sehr dankbar
- die Menschen vor Ort machen/sind/tun "noch nicht"
- eigentlich müssten die Menschen vor Ort nur "xy" machen, dann wäre alles besser etc.
Hier stellt sich die Frage, ob Freiwillige tatsächlich selbst in der Lage sind, weitreichende Entscheidungen mit entsprechenden Konsequenzen vor Ort zu treffen. Die wenigsten von uns haben schließlich eine entsprechende Ausbildung. Gutes tun wollen, heißt nicht automatisch sinnvolles zu tun. Entwicklungszusammenarbeit ist nicht wie SIM-City spielen: (wieder leicht überspitzt): und noch nen Brunnen bauen und wenns nicht klappt, bauen wir halt was anderes hin etc. Manche wollen sich auch einfach nur ein Denkmal bauen …
Es nicht leicht ist auf dem Boden zu bleiben, wenn man durch eine super Spendenaktion plötzlich über mehr Geld an einer Schule verfügen können als der/die DirektorIn, bzw. dann kommt uns plötzlich eine Rolle zu, für die wir eigentlich weder ausgebildet noch vorgesehen sind. Wie wäre es, wenn ein Praktikant bei einem Unternehmen mehr Aktien hätte als der Vorstandsvorsitzende und plötzlich Entscheidungen im Management treffen muss?
Bitte denkt Menschen vor Ort, sie sind kein Spielzeug. Spenden will überlegt und sensibel angelegt sein. Informiert Euch vor der Spendenaktion auch unter: Spenden ohne zu schaden
Spenden können sinnvoll sein …
… wenn folgende Grundsätze gegeben sind:
1. Grundsatz der Partnerschaftlichkeit (Spendenempfänger ist gleichberechtigter Partner)
2. Grundsatz der Beidseitigkeit: Geben und Nehmen – d.h., dass ein Austausch stattfindet (Geld gegen z.B. Bilder, Briefe, kleine Kunstartikel, Informationen etc.)
3. Grundsatz der Informationsweitergabe und Transparenz – d.h., dass entsprechende Kommunikation und Aufklärung zwischen Spendenempfänger, Spendenvermittler und Spender stattfindet
4. Grundsatz der Lernbereitschaft – d.h., dass eine nachhaltige Verbindung hergestellt wird, bei der die Partner voneinander und miteinander lernen.
5. Grundsatz der Sensibilität – d.h., dass negative Folgen (Korruption, Streit etc.) weitestgehend ausgeschlossen werden.
Warum wir Freiwilligenspenden unterstützen …
Wir glauben daran, dass Freiwilligenspenden positiv wirken können, wenn sie das Ergebnis einer intensiven Kommunikation zwischen Freiwilligen und Spendenempfängern sind!
Spenden ist Kommunikation: Wir glauben daran, dass Spenden positiv wirken, wenn direkte Kontakte und eben jene intensive Kommunikation zwischen Spendensammler und Empfänger stattfinden; etwas, dass leider sehr selten in der Entwicklungszusammenarbeit ist. Dabei geht es darum, sich gegenseitig zu respektieren, sich wahrzunehmen, gegenseitige Bedürfnisse zu erkennen und gemeinsam handlungsfähig zu werden. Spenden kann ein Weg zu einem dauerhaften, engagierten und partnerschaftlichen Verhältnis sein.
Spenden ist Dankbarkeit: Unsere Partnerorganisationen investieren viel Zeit und Kraft in die Freiwilligen. Auch wenn ihr als Freiwillige viel leitet, stellt ihr doch auch eine nicht zu unterschätzende Mehrbelastung der sozialen Organisationen dar. Eine Spende für die Aufnahmeorganisation kann auch als ein gezielter und herzlicher Dank dafür gesehen werden.
Spenden ist Bewusstseinsbildung für EZ: Nur wer den Weg von der Bedürfnisanalyse, über die Spendenakquise, bis zur Mittelverwendung zwischen Deutschland und dem Gastland einmal selbst gegangen ist, mit all den damit verbundenen Gesprächen, Überlegungen, Berechnungen, Erfolgen und Misserfolgen; wird Entwicklungszusammenarbeit verstehen und letztlich auch verbessern können!
Spenden ist miteinander Lernen: Spenden ermöglicht ein gegenseitiges kennen lernen und auseinander setzen, bei dem alle Seiten sehr viel miteinander und voneinander lernen können. Für ein Leben in der globalisierten Welt, ohne Rassismus und Intoleranz, ist genau dieses Lernen unabdingbar
Spenden heißt auch informieren: Spendenaktionen sind auch Informationsaktionen. Der oft nicht stattfindende Austausch zwischen Gastland und Heimatland der Freiwilligen wird durch Spenden angeregt. Die Spender wollen wissen, warum sie spenden sollen, was mit dem Geld passiert und wen sie damit unterstützen. Der/Die Freiwillige übernimmt damit eine wichtige Rolle als MultiplikatorIn der Bewusstseinsbildung für EZ und Lebensbedingungen vor Ort.
G. Kolle, Engagement VIA e.V.














